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„SA MARXA“ Die große Nachtwanderung zur Schutzpatronin Mallorcas

Mallorca Tipp
Sie gehören zum Gesicht Spaniens ebenso wie die reiche Folklore des Landes und seine Fiestas, die zahlreichen Prozessionen und Wallfahrten, die insbesondere in den Monaten zwischen Mai und September zu Ehren der Schutzpatrone der einzelnen Regionen und Gemeinden stattfinden. Die bekannteste ist zweifelsohne die große Wallfahrt von El Rocío in Andalusien zu Pfingsten. Aber auch wer im Sommer auf Mallorca weilt, kann eine, seit nunmehr 30 Jahren wieder bestehende, auf einer uralten Tradition gründende Wallfahrt, eine Nachtwanderung von Palma in das in den Bergen des Nordwestens gelegene Kloster Lluc miterleben.

Eingebettet in die dichten grünen Kiefern- und Pinienwälder liegt inmitten eines tiefen Talkessels in idyllischer Ruhe der mächtige Klosterkomplex des Monasterio de Lluc. Für die Mallorquiner ist es der wichtigste Wallfahrtsort der Insel, birgt er doch die Figur der Schutzpatronin Mallorcas, der Heiligen Jungfrau von Lluc. Die Geschichte des Klosters geht zurück auf das 13. Jh., als die Christen nach vielen Versuchen die letzten maurischen Einwohner in der damals Al-Yibal genannten Gegend zwischen den höchsten Bergen der Insel geschlagen hatten. Eine Vielzahl von Legenden rankt sich um die kleine steinerne schwarze Marienfigur, die in den Tramuntana-Bergen um diese Zeit gefunden worden war. Wohl von einem arabischen, auf den christlichen Glauben und den Namen Lluc getauften Hirten-Jungen, der mehrmals aus einer Stelle in den Felsen eine zart klingende Musik gehört haben soll. Verwundert lief er zum Pfarrer des nahen Dörfchens Escorca, der dann die Figur der Marienstatue in einer Felsöffnung sah. Zunächst wurde sie in der kleinen Dorfkirche untergebracht, war jedoch am nächsten Morgen bereits wieder verschwunden, und man entdeckte sie erneut an ihrem Fundort in den Bergen, woraufhin man ihr schließlich dort eine Kapelle errichtete. Aus der späteren Augustiner-Einsiedelei entstand das Kloster, dessen heute zu sehenden Gebäude größtenteils aus dem 17. und 18. Jh. stammen. In der kleinen Kapelle hinter dem Hauptaltar finden die zahlreichen Pilger und Besucher des Monasterios die 61 cm hohe Figur der Schutzpatronin der Insel. Besonders beeindruckend, ja fast mystisch ist der Besuch in der spärlich beleuchteten Kirche am Vormittag, wenn der Gesang eines Knabenchores durch das Kirchengewölbe schallt. Täglich um 11.00 Uhr gibt hier – leider nur außerhalb der Ferienzeiten - der Chor der “Blavets” des angeschlossenen Jungeninternats ein kleines Konzert. Noch so durch die Musik erfüllt, lohnt sich dann ein Spaziergang vom schönen Kreuzgang aus auf dem “Camí dels Misterís” hinauf zum Kalvarienberg, von wo aus sich ein traumhafter Blick über die Berglandschaft bietet.

Seit nunmehr 31 Jahren machen sich alljährlich Tausende von Wallfahrern und Wanderern am ersten Augustwochenende in der Nacht von Samstag auf Sonntag von Palma aus auf den 48 km langen Fußmarsch hinauf in die Berge der Sierra de Tramuntana zum Heiligtum der Santa María von Lluc. Gestartet wird in der Calle Aragón in Palma in der Nähe der einstigen Bar Güell gegen 23:00 Uhr, wo sich schon Stunden vorher die Tausenden von Teilnehmern einfinden. Ihre Motive sind genauso vielfältig wie sie selbst. Gruppen junger Menschen, für die es ein alljährlicher Spaß ist, mit Gleichgesinnten diesen Weg zu machen. Andere kommen aus sportlichen Motiven, die ihre Ausdauer in dieser Nacht unter Beweis stellen wollen. Wieder andere genießen das besondere Ambiente dieser Wanderung durch die nächtliche Natur Mallorcas. Und viele haben auch religiöse Motive, lösen ein Versprechen gegenüber ihrer Schutzpatronin ein oder erbitten auf diese Weise ihren Segen. Folkloregruppen spielen auf, Lieder erschallen und die Menschen stehen auf den Balkonen der umliegenden Häuser oder schauen aus ihren Fenstern auf die Wanderer hinab. Die Wallfahrt hat bereits eine lange Geschichte, bestand sie bereits seit dem 14. Jahrhundert, wie Tolo Güell, der Initiator des Marsches und Inhaber einer bekannten Bar in Palma betont.

1973 erweckte er die jährliche Nachtwallfahrt wieder zum Leben, nachdem seiner damals 6-jährigen Tochter eine Wasserflasche in der Hand explodierte und einer der anwesenden Gäste in seiner Bar ausrief: “Gott sei Dank, es ist nichts passiert. Dafür müssen wir hinauf nach Lluc pilgern”. Gesagt, getan. 30 Pilger machten sich im damaligen Sommer auf den Weg. Und in den 80er Jahren formte sich aus einer Gruppe von 50 Personen rund um Tolo Güell die GRUP GÜELL, die sich auβer um die alljährliche Wallfahrt auch um andere soziale und kulturelle Veranstaltungen verdient macht. Mittlerweile ist die alljährliche, nächtliche Wallfahrt so populär, dass 1990 insgesamt 35.000 Menschen, im vergangenen Jahr mehr als 18.000 Menschen von Palma aus starteten. Unter ihnen auch Besucher vom spanischen Festland, Menschen aus England, Deutschland, Italien oder Frankreich. 8.000 erreichten im vergangenen August schließlich erschöpft, aber glücklich, in der Morgendämmerung des Sonntag den Klosterhof.

Vorher ging der Weg der nächtlichen Wanderer von Palma aus auf der Landstrasse C-713, übrigens entlang einem bereits von den Römern angelegten Weg, zunächst auf ebener Strecke nach Marratxi, zu dessen Gemeinde mehrere kleine Siedlungen gehören. Aus Marratxi kommen die berühmten “Siurells”, die typischen Tongefässe aus Keramik. In Santa María gibt es den ersten Stopp mit Wasser, Erfrischungen und Früchten. 15 Kilometer sind hier bereits geschafft. An den östlichen Ausläufern des Tramuntana-Gebirges geht es nun durch die fruchtbare Landschaft der Region Es Raiguer bis zum kleinen Weinort Consell, um nach 22 Kilometern Binissalem zu erreichen, den Hauptort des mallorquinischen Weinanbaus. Es ist fast drei Uhr früh und noch immer sind hier im Ort die Menschen auf den Beinen, um den Wallfahrern zuzuwinken oder Erfrischungen und Früchte auszuteilen, ehe es weiter Richtung Lloseta geht. Von dort führt der Weg nach Biniamar mit seinen schönen Natursteinhäusern und nach Selva, wo es wiederum Erfrischungen, Kaffee, Milch und Früchte zur Stärkung gibt. Mittlerweile ist man inmitten der Berglandschaft des Tramuntanagebirges angekommen, was insbesondere bei Caimari zu spüren ist. Hier hat man bereits 36 Kilometer zurückgelegt und es gibt eine Stärkung mit Fruchtsäften, Glukose, Erfrischungen und Wasser, ehe es die Serpentinen hinauf geht. Entlang der Terrassenlandschaft mit zahlreichen Oliven- und Mandelbäumen, über denen sich bald langsam die Dämmerung bemerkbar macht. Zweifelsohne ist dies der anstrengendste, aber auch schönste Teil der Wanderung, erwartet die Wallfahrer doch der Sonnenaufgang über der Sierra, der nach vielen Stunden nicht nur den neuen Tag, sondern vor allem auch das nahe Ziel des Weges ankündigt. An weiteren drei Versorgungsstopps vorbei, erreicht man endlich das Kloster Lluc, wo ein Blumenopfer an die Heilige den Abschluss der Wallfahrt bildet. Zurück geht es in Bussen nach Inca, von wo die müden, aber zufriedenen Wanderer per Eisenbahn nach Palma gelangen.

Wer auf Mallorca seine Ferien verbringt und am ersten Augustwochenende, dieses Jahr genau am 07. August, dabei sein möchte, sollte sich am Kiosk nahe der einstigen Bar Güell in der Strasse Aragón vorher anmelden oder sich in einem der örtlichen Tourismusämter erkundigen. Jeder Teilnehmer erhält ein fluoreszierendes Erkennungszeichen und wird registriert. Die Wallfahrt wird begleitet von Guardía Civil und von ambulanten Servicekräften, die zur Seite stehen, wenn jemand unterwegs aufgibt. Informationen in den Touristenämtern vor Ort und den lokalen Medien etwa eine Woche vor dem Termin der Wallfahrt. Informationen auch über die GRUP GÜELL Tel. 0034-971.27.81.01.
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